Ein Satz kann unsere Welt verändernDie Rechte von Frauen und queeren Menschen ausbauen, verteidigen, wertschätzen.
Sabine Stövesand ist Professorin für Soziale Arbeit und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte von Frauen. 2024 wurde sie für ihre Initiative StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ihren Weg des gesellschaftlichen Engagements begann sie bereits 1985 – mit einem ASA-Projekt in Malaysia.
Dein Thema ist Gewalt in Beziehungen. Wie engagierst Du Dich heute?
Ich habe 2007 StoP, Stadtteile ohne Partnergewalt entwickelt, – ein nachbarschaftsbasiertes Handlungskonzept zur Prävention von und zum Schutz bei Gewalt in Beziehungen, von der besonders Frauen betroffen sind. StoP ist mittlerweile an 60 Standorten in Deutschland und Österreich vertreten.
1985 hast Du in Malaysia ein Projekt zur Geschlechtergerechtigkeit unterstützt. Was hat Dich damals bewegt?
Ich war Studentin und brannte für das Thema Geschlechtergerechtigkeit. Damals gab es einen neuen Zweig der feministischen Soziologie, der transnational ausgerichtet war. Das wollte ich besser verstehen. Mein Projekt in Malaysia befasste sich mit der Situation von Arbeiterinnen in den sogenannten „Weltmarktfabriken“ vor Ort. Ich war beeindruckt von den Frauen, die sich trotz Verbotes und starker Repression gewerkschaftlich organisierten und für bessere Arbeitsbedingungen einsetzten.
Welche Erfahrung ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?
Mein Erstaunen – und meine Beschämung über dieses Erstaunen, als ich in Malaysia in einem hochmodernen Zug saß, in dem jeder Wagon einen Bildschirm hatte, auf dem Spielfilme gezeigt wurden. Lichtjahre moderner als in Deutschland von 1985. Das hatte ich schlicht nicht erwartet, es passte nicht zu meinem Bild.
Wie ging Dein Weg nach ASA weiter?
Zurück in Deutschland engagierte ich mich in der Ehemaligenvertretung und begleitete ASA-Seminare mit Fokus auf Asien. Dabei fand ich Menschen, mit denen ich bis heute verbunden bin. Das ASA-Programm hat mir früh die Gelegenheit gegeben, meine eigenen Privilegien zu reflektieren und mein Bild von der sogenannten „Dritten Welt“ kritisch zu hinterfragen.
Später habe ich als Sozialarbeiterin ein multidiverses Team mitaufgebaut. Heute lehre ich als Professorin in einem Modul zum Umgang mit Vielfalt und Differenz. Auch das hat mit meiner „ASA-Schulung“ zu tun. Die intensiven Erfahrungen mit partizipativer Seminargestaltung, Gruppendynamiken und Umgang mit Konflikten haben meine Arbeit als Sozialarbeiterin und Professorin bereichert und besser gemacht.
65 Jahre ASA-Programm: Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass es ASA weiterhin gibt – als Programm, das praktisch, gelebtes und inhaltliches Wissen vermittelt, und gleichberechtigte Austauschbeziehungen ermöglicht. Ich hoffe, dass der globale Westen sich ernsthaft mit der Aufarbeitung kolonialer Strukturen auseinandersetzt. Und dass wir endlich begreifen: Wir sind Eine Welt und es gibt keinen Planeten B.